INTERVIEW IM FACHMAGAZIN ES&T
Die richtige Kommunikationen etscheidet über Sichtbarkeit
ES&T: Herr Glasmeyer, Sie sind Geschäftsführer von GB Defence, einer Agentur, die auf den Verteidigungssektor spezialisiert ist. Ist das eine Reaktion auf die vieldiskutierte Zeitenwende?
Glasmeyer: Unser Team ist tief im Verteidigungswesen verwurzelt, und wir begleiten seit 25 Jahren unter anderem auch die Bundeswehr. Der Bedarf nach branchenspezifischen und zielgruppengerechten Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen ist also nicht neu. Was sich aber verändert hat, ist die Marktsituation im Verteidigungssektor. Darauf möchten wir bei GB Defence eingehen.
ES&T: Wie wirkt sich aus Ihrer Sicht die Trendwende in der Sicherheitspolitik auf die Branche aus?
ES&T: Worauf kommt es also an, wenn man heute im Verteidigungssektor ein relevanter Player sein will?
Glasmeyer: Unternehmen müssen sich bewusst machen, dass momentan ganz schön viel Lärm da draußen ist. Die europäischen Verteidigungsausgaben haben letztes Jahr wieder ein Rekordhoch erreicht, gleichzeitig hat Bundeskanzler Friedrich Merz zuletzt das Ziel ausgesprochen, die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas zu machen. Daher sind eine klare Strategie und präzise Maßnahmen zentral. Vom Branding und der Markenpositionierung bis hin zum Storytelling und dem Messeauftritt. Vor allem muss die Kommunikation in einer Branche voller hochkomplexer Technologien so gestaltet werden, dass sie schnell und einfach zugänglich ist. Entscheider müssen sofort nachvollziehen können, was ein bestimmtes Produkt oder Unternehmen besonders macht und warum sie sich dafür entscheiden sollten.
ES&T: Sie haben die Veränderungen im Verteidigungssektor mehrfach betont. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Kommunikationsfehler, die Unternehmen in dieser Branche aktuell machen?
Glasmeyer: Der entscheidende Fehler ist, die Aufbruchstimmung nicht zu nutzen und einfach weiterzumachen. Früher hatte die Branche ein eher schlechtes Image und hielt sich deshalb stark zurück. So offensiv, klar und schnell zu kommunizieren, wie wir es aus dem Konsumgüterbereich kennen, war damals kaum vorstellbar. Jetzt ist alles anders, manche Unternehmen haben aber noch nicht verstanden, dass der Zeitpunkt gekommen ist, um loszulegen. Es fallen immer noch Sätze wie „Unsere Produkte sprechen für sich, wir brauchen keine Marketing-Floskeln“, „Wir haben doch bereits große Kunden“ oder „In unserer Branche kann man gar nicht kommunizieren“. Das ist in der aktuellen Lage aber der falsche Ansatz, denn die Karten werden neu gemischt. Wer jetzt keine klare Strategie hat und sich nicht traut, könnte bald zu den Verlierern des Rüstungsbooms zählen.
ES&T: Wie hat Sie Ihre eigene Laufbahn bei der Bundeswehr in Ihrer jetzigen Tätigkeit geprägt? Welche Lehren aus dieser Zeit beeinflussen Ihre heutige Arbeit noch immer?
Glasmeyer: Meine Zeit bei der Bundeswehr, insbesondere das Studium an der Helmut-Schmidt-Universität, hat mir ein tiefes Verständnis für Wehrtechnik vermittelt, von dem unsere Kunden heute direkt profitieren. Weil ich die Anforderungen der Truppe aus eigener Erfahrung kenne, kann ich Entwicklungen und Produkte aus Anwendersicht bewerten und damit realistische Erwartungen schaffen. Zudem greifen wir auf ein belastbares Netzwerk bei der Bundeswehr zurück, das uns Einblicke ermöglicht, die vielen Anbietern verschlossen bleiben. Darüber hinaus hat diese Zeit einen maßgeblichen Anteil daran, dass unsere Agentur auf 30 erfolgreiche Jahre im Consumer Bereich zurückblickt. Strategisches Denken, Präzision und Reaktionsfähigkeit sind auch bei klassischen Werbe-, Marketing-, und Kommunikationsmaßnahmen von zentraler Bedeutung. Ich bin also sehr dankbar, dass mir die Bundeswehr diese Qualitäten mit auf den Weg gegeben hat.
Glasmeyer: Mit Blick auf die Behörden merkt man ein Umdenken. Aktuell kämpfen immer mehr Unternehmen um Aufmerksamkeit, da es im Gegensatz zu anderen Branchen wie der Autoindustrie einen Boom im Verteidigungssektor gibt. Wenn man es schafft, den Entscheidern Orientierung zu geben, komplexe Technologien näherzubringen und zu vermitteln, was der konkrete Mehrwert ist, dann sind sie dafür offen. Dabei muss man natürlich ihre Bedürfnisse kennen und stets zielgruppengerecht arbeiten. Das erfordert durchaus Fingerspitzengefühl. Bei den etablierten Rüstungsunternehmen gibt es gemischte Reaktionen. Wenn man bereits sehr erfolgreich ist, verspürt man nicht unbedingt denselben Druck wie kleinere oder unbekannte Unternehmen. Wir sind aber überzeugt, dass auch die Platzhirsche von neuen Kommunikationsansätzen profitieren. Sonst riskieren sie langfristig, Marktanteile zu verlieren, weil neue Akteure die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Das passiert aber natürlich nicht über Nacht.
ES&T: Viele neue Marktteilnehmer drängen in den Verteidigungsbereich. Beobachten Sie dabei eher eine Professionalisierung oder eine Verwässerung von Standards?
Glasmeyer: Bei den neuen Marktteilnehmern merkt man, dass sie oft aus Branchen kommen, die anders funktionieren. Gerade Zulieferer müssen sich zunächst selbst orientieren. Erschwerend kommt hinzu, dass es nicht mehr nur um reine B2B-Kommunikation geht, sondern auch um B2G, also Business to Government. Hier ist gerade als „New Kid on the Block“ eine andere Expertise gefragt. Das bemerken viele Unternehmen jedoch schnell, sodass der Bedarf nach Agenturen mit Erfahrung in der Verteidigungsindustrie steigt.
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